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Am 17. und 18. Januar fand in diesem Jahr zum neunten Mal der Deutsche Medienkongress in Frankfurt am Main statt, eines der wichtigsten Events der Werbe- und Medienbranche. Michael Moser von Shanghai.Berlin war dort und berichtet im Gastbeitrag auf Sputnika von mahnenden Worten und Zukunftsvisionen.

Medien und Mediadienstleister stehen unter dem Druck der digitalen Transformation. Ein guter Anlass für mich, den Deutschen Medienkongress zu besuchen, um den wirklichen Stand der Dinge zu sondieren.

Miriam Meckel von der WirtschaftsWoche durfte eröffnen und legte den Finger in die Wunde: Mit einer präzisen Aufarbeitung von FakeNews und BotNetzwerken machte sie deutlich, wie vorsichtig wir heute mit News und deren Wahrheitsgehalt umgehen müssen. Abends setzte dann der Philosoph Richard David Precht eins drauf und ermahnte uns bei allen spannenden Seiten des digitalen Wandels zu mehr sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung: fundiert, pointiert und schonungslos. Peng! Das saß!

Da war dann im Vergleich die spätere Keynote des Horizont Awards mit dem charmanten französischen Network-CEO geradezu eine Lockerung der Gesichtsmuskeln. Dafür aber ohne Erkenntniszuwachs.

Aber nun zur Sache: Marketing! Werbung!! Digitalisierung!!! Marketing-Profis kommen doch deswegen zu einer Fachtagung. Den Anfang machte ein CMO-Talk zum Thema „Erwartungshaltung gegenüber den Medien“. Der hochdekorierte und sprachlich sehr eloquente Hans-Christian Schwingen verblüffte alle Anwesenden, inklusive des Podiums, mit der Aussage: „Da werden 20.000 oder 40.000 Euro in die sozialen Netzwerke gesteckt ohne Sinn und Verstand. Da herrscht ein wahnsinniger Wildwuchs.“ In Folge war noch von „digitaler Besoffenheit“ die Rede und dass eine Rückbesinnung auf klassische Medien sinnvoll sei. Da freute sich ein nicht zu kleiner Teil des Publikums. Man muss wissen, dass es sich bei dem DMK um einen „Altherrenclub“ (Zitat eines Teilnehmers) handeln soll, dem man bewusst mit Start-up-Formaten gegensteuert. Aber zurück zum Thema: Lernen konnte man dabei, außer einem Gefühl der Ernüchterung: Nichts! Schwarzweißmalerei hilft bei einem Thema, bei dem es um die diffizile Bündelung unübersichtlicher Möglichkeiten geht, wenig. Dogmatik hinsichtlich totaler Digitalisierung hilft genauso wenig wie das Herbeisehnen alter Zeiten.

Erfrischend war in diesem Zusammenhang übrigens das Stressinterview zwischen Joe Marie Farwick und Daniel Könnicke zum Thema Angst. Agenturchef Könnicke meinte, dass er beruflich angstfrei sei. Das sollten sich vielleicht einige Profis, die noch immer zu viel Respekt vor dem digitalen Fahrwasser haben, zu Herzen nehmen.

Zukunftsgerichtet war die Diskussion zum „neuen Markt“ Content Marketing am Nachmittag des zweiten Tages. Media wird als zwingender Bestandteil des Content-Angebots gesehen (C3) und Strategie als vorgeschalteter Prozess für mehr Komplexität wird noch wichtiger werden (Ogilvy). Also glücklicherweise doch ein Plädoyer für Zielrichtung, Integration und handwerkliches Finetuning.

Zalando & Kemmler, mit dem wahrscheinlich besten DMK-Case (datengetriebener Kreation), berichten von der „Verzweiflung des Performance Marketing“, das mit seinen ureigensten Kräften der Optimierung seine Grenzen gefunden hat und nach Kreativität schreit. Dies wird nur noch von Stefan Mohr von Jung von Matt übertroffen, der meint: „Kreation und Daten verhalten sich wie Muse und Genie zueinander.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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