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Die Vernetzung der Umwelt hat Tempo aufgenommen. Sichtbar wird dies nicht nur auf Technologie-Events wie der Fachmesse CES in Las Vegas oder dem Branchentreff SXSW South by Southwest in Austin, sondern auch im Alltag. Smart Home ist das Stichwort. Welche Trends 2017 wichtig sind, erfahren wir von Shanghai.Berlin.

Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Zeit ist die Einführung der Digital Personal Assistent. Apple machte den Anfang mit Siri, es folgte Cortana von Microsoft. Doch während diese Assistenten an einen Computer oder das Smartphone gebunden sind, gehen die neuen Assistenten einen anderen Weg. Echo von Amazon ist ein gutes Beispiel: Ein kleines Gerät für die Wohnung, das immer online ist und auf Zuruf den Alltag vereinfachen soll.

Dafür vernetzt sich Echo mit dem gesamten digitalen Equipment der eigenen vier Wände. Auf diese Weise können Nutzer per Sprachsteuerung ihre Heizung und das Licht steuern. Sie können Einkaufslisten anlegen, Bestellungen aufgeben, Termine festlegen, ein Taxi rufen und noch viele Dinge mehr. Es ist also ein sprechender Computer und Dienstleister, fast so, wie der Computer bei Raumschiff Enterprise.

Andere Unternehmen folgen dem Vorbild Amazon und bringen ebenfalls sprachgesteuerte Assistenten auf den Markt: Home von Google sowie Smart Assistant von Lenovo (voraussichtlich ab Mai in den USA). Konzerne der Autoindustrie arbeiten derzeit daran, die genannten Assistenten in ihre Autos einzubauen. In Zukunft könnten Autofahrer so schon auf dem Weg nach Hause den Backofen vorwärmen lassen. Der Markt für diese Assistenten ist groß. In den nächsten vier Jahren sollen bis zu 15 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden, vermeldete die Beratungsagentur Tractica im vergangenen Sommer.

Promo-Video für Home

Am Ende ist es das Ziel, dass alle vernetzten Haushaltsgeräte über eine zentrale Schnittstelle Befehle entgegennehmen können. Hierfür entwickelt die Industrie gerade Standards, die für die Zukunft gelten sollen. Die Kommunikationsstandards werden dabei von der Smartphone-Industrie vorgegeben: Apple oder Android – was anderes wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Die Schnittstellenstandards werden wiederum von den Entwicklern der Personal Assistants vorgegeben. Sie sollen aber auch in Zukunft open source bleiben, damit auch Entwickler, Startups und Unternehmen abseits der großen Konzerne eigene Ideen für die Assistenten umsetzen können. Früher oder später wird es eine Art App-Store dafür geben.

Manche Unternehmen gehen sogar einen Schritt weiter: Roboter für den Haushalt sind keine Zukunftsvision mehr. LG hat ein solches Gerät vorgestellt, das mehr kann, als nur niedlich sein. Der Hub Robot kennt den aktuellen Inhalt des Kühlschranks, die passenden Rezepte, ist mit der Amazon App Alexa vernetzt und hat Sprach- und Gesichtserkennung. Die erlaubt es dem Roboter auf unterschiedliche Personen individuell zu reagieren. So befolgt er beispielsweise Befehlen von Kindern anders als von Erwachsenen.

Promo-Video für Hub Robot

In die gleiche Richtung geht die Entwicklung des von Bosch unterstützten Startup Mayfield Robotics. Kuri, so der Name des kleinen, etwas knubbeligen Home-Roboters, soll in Zukunft die Funktion eines rollenden Personal Assistant erfüllen. Sie kann einer Person ebenerdig durch die Wohnung folgen, beantwortet Fragen und vernetzt sich ebenfalls mit Smart-Home-Technologien. Kuri wird künftig zudem Sicherheitsaufgaben übernehmen. Wenn jemand beispielsweise unbefugt das Haus betritt, soll sie einen stillen Alarm auslösen sowie ihre Besitzer per Smartphone verständigen.

Am Beispiel des Bosch-Startup Mayfield Robotics sehen wir deutlich, dass es heutzutage nicht länger die großen Software-Unternehmen wie Google oder Microsoft sind, die das Thema Smart Home vorantreiben. Vor allem jene Firmen, die schon seit Jahrzehnten Haushaltsgeräte entwickeln, herstellen und betreiben, sind nun der Motor für Entwicklungen. Was anderes bleibt ihnen auch kaum übrig. Denn wer sich jetzt nicht auf die Digitalisierung einstellt, wird später Probleme haben, den Wettbewerbsrückstand aufzuholen.

Promo-Video für Kuri

Dass dabei auch manche Kuriosität entwickelt wird, ist wohl keine Überraschung. Die Nokia-Tochter Withings, bekannt geworden mit ihren vernetzten Körperwaagen, hat vor Kurzem eine mit Bluetooth und WLAN ausgestattete Haarbürste vorgestellt, die im Herbst 2017 auf den Markt kommen soll. Sie ist mit einem Mikrofon, Beschleunigungsmesser sowie Drucksensoren ausgestattet. Für umfassende Informationen über Haarschäden, Haarstruktur und der Qualität des Bürstverhaltens ist die Bürste mit der Smartphone-App Hair Coach verbunden. Sie zeigt zum Beispiel, ob man seine Haare schon über Jahre hinweg völlig falsch gebürstet hat. In dieselbe Kerbe schlägt Kolibree mit der vernetzten und mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Zahnbürste. Sie gibt beim Zähneputzen ad hoc Tipps, wie der Anwender es besser machen könnte. Zudem passt sie sich seinen Gepflogenheiten an, indem sie Druck und Intensität der Zahnpflege kontrolliert.

Mal abgesehen von diesen etwas absurden Beispielen der digitalen Vernetzung, ist eins klar: Die Digitalisierung des Haushaltes hat längst begonnen. Sie muss deshalb ein integraler Bestandteil der Produktstrategie von Unternehmen werden, die sich in diesem Bereich ansiedeln.

Ein Beitrag von Don Dahlmann für Shanghai.Berlin

 

 

 

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